Biedermeierfriedhof St. Marx

Stahlblauer Himmel über uns und eisigkalt am St. Marxer Friedhof am Valentinstag – dieser Friedhof ist weltweit der einzige noch erhaltene Biedermeierfriedhof und steht unter Denkmalschutz. Er wurde in den Jahren 1784-1874 als Grabstätte genutzt und ist jetzt eine faszinierende historische Parkanlage, in der auch die Natur nicht zu kurz kommt – Dickicht, Efeu, Vogelgezwitscher…und man begegnet auch Personen, die hier ihre tägliche Walking-Runde drehen, weil sie in der Nähe wohnen. Wir hatten das Glück z.B. die 82jährige Strickpoldi zu treffen und mit ihr ein Weilchen zu plaudern…

Adresse: 1030 Wien, Leberstraße 6

Die Grabsteine geben Informationen zum Beruf oder des Standes des Verstorbenen/der Verstorbenen preis: Bierversilberer (jemand, der Bier verkauft und damit zu Geld macht), Fragner (für mich die ersten wandernden Bioverkäufer, die von Tür zu Tür gehend, fragten, ob diese oder jene Produkte eines Bauern benötigt und damit auch gekauft würden), Kanalräumer, Gastwirthe, Hausbesitzer, Glasfabrikanten, Freiherren und -frauen, sowie k.u.k Beamte (z. B. ein Hafen-Capitain der k. u. k. priv. Donau Dampfschiffahrts-Gesellschaft) und deren tiefgekränkten Witwen, auch den Grabstein eines Fräuleins haben wir entdeckt.

Bekannte (z. B. Mozart) und unbekanntere Personen haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden… Auf der Homepage der Wien-Führerin Hedwig Abraham habe ich eine Liste bekannter Persönlichkeiten entdeckt, die am St. Marxer Friedhof zu finden – einige von ihnen wurden später in ein Ehrengrab am Zentralfriedhof überführt, wie z. B. der Architekt Josef Kornhäusel (Überführung 1934). Das Foto zeigt jedoch den Grabstein am St. Marxer Friedhof.

Die Gräber sind zum Großteil von Ästen überdacht, viele aufgrund des Dickichts nur schwer zu erreichen, die Steine teilweise wackelig – die Natur ist beharrlich, wenn man sie lässt. Der Efeu wurde erst vor Kurzem an den Rändern des Friedhofes ge- und beschnitten, an einzelnen Grabumzäunungen hat er sich festgeklammert und ist nicht zu entfernen. Dieser Wildwuchs ist charmant und erweckt ein bisschen den Eindruck von Dornröschens Reich mitten in der Stadt…wären da nicht die singenden Vögel.

Für den Heimweg hat uns der Friedhof ein Herz geschenkt…

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